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Ratgeber

KI-Schulung Pflicht 2026? Was Artikel 4 des AI Act wirklich verlangt

Ja, Unternehmen im Anwendungsbereich müssen als Anbieter oder Betreiber von KI-Systemen Maßnahmen ergreifen, die Entwicklung von KI-Kompetenz bei ihrem Personal und weiteren in ihrem Auftrag handelnden Personen zu unterstützen. Artikel 4 schreibt aber weder einen bestimmten Kurs noch ein Zertifikat, feste Stunden oder ein einheitliches Kompetenzniveau für jede Person vor. Maßgeblich sind Vorwissen, Erfahrung, Aufgabe, Einsatzkontext und betroffene Personengruppen.

MS
Manuel Streit · KI-Manager IHK · Claude/API/MCP-zertifiziert
· · 13 min Lesezeit

Die direkte Antwort: Pflicht zu Maßnahmen, nicht zu einem Standardzertifikat

Artikel 4 verlangt

  • Maßnahmen zur Unterstützung der KI-Kompetenz
  • Berücksichtigung von Vorwissen und Erfahrung
  • Bezug zu System, Rolle, Einsatzkontext und betroffenen Personen
  • Einbeziehung von Personal und weiteren Personen, die im Auftrag mit KI arbeiten

Artikel 4 verlangt nicht pauschal

  • denselben Kurs für alle Beschäftigten
  • eine feste Zahl an Schulungsstunden
  • eine Abschlussprüfung oder ein bestimmtes Zertifikat
  • die Garantie eines bestimmten Kompetenzniveaus jeder einzelnen Person

Die Europäische Kommission stellt in ihren aktuellen Fragen und Antworten ausdrücklich klar, dass es keine Einheitslösung und keine vorgeschriebene Zertifizierung gibt. Eine Schulung ist ein möglicher und oft sinnvoller Baustein; Richtlinien, praktische Übungen, Hilfen im Arbeitsprozess und wiederkehrende Updates können ebenfalls dazugehören.

Den eigenen Ausgangspunkt könnt ihr zuerst mit dem kostenlosen KI-Kompetenz-Check einordnen. Für die Umsetzung folgt die rollenbasierte KI-Kompetenz-Schulung.

Was sich im Juli 2026 an Artikel 4 geändert hat

Artikel 4 galt bereits seit dem 2. Februar 2025. Durch die Verordnung (EU) 2026/1744, den Digital Omnibus on AI, wurde der Wortlaut im Juli 2026 geändert. Anbieter und Betreiber müssen nun Maßnahmen ergreifen, um die Entwicklung von KI-Kompetenz zu unterstützen. Sie müssen aber kein bestimmtes Kompetenzniveau jeder einzelnen Person garantieren.

Die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten sollen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen bei der Umsetzung unterstützen und praktische Beispiele veröffentlichen. Das AI Board soll zusätzlich Empfehlungen und gemeinsame Ziele entwickeln.

Für Unternehmen ist die Änderung keine Aufhebung der Pflicht. Sie verschiebt den Schwerpunkt klar auf angemessene, kontextbezogene Maßnahmen statt auf ein abstraktes, einheitliches Kompetenzniveau.

Wer von der KI-Kompetenzpflicht betroffen ist

Adressaten sind Anbieter und Betreiber von KI-Systemen. Bei gewöhnlichen Unternehmensanwendungen ist ein Unternehmen regelmäßig Betreiber, wenn es ein KI-System in eigener Verantwortung verwendet. Erfasst werden Beschäftigte und weitere Personen, die im Auftrag des Unternehmens mit Betrieb oder Nutzung der Systeme befasst sind.

Die Kommission nennt ausdrücklich auch einfache Anwendungen: Wenn Beschäftigte generative KI etwa für Werbetexte oder Übersetzungen einsetzen, sollten sie über spezifische Risiken wie Halluzinationen informiert sein. Externe Dienstleister oder Auftragnehmer können ebenfalls relevant sein, wenn sie im Namen des Unternehmens mit den Systemen arbeiten.

Nicht jede Person benötigt dieselbe Tiefe. Wer nur freigegebene Textentwürfe erstellt, braucht andere Kenntnisse als ein Administrator, eine Entwicklerin, ein fachlicher Freigeber oder jemand, der ein risikoreiches System überwacht.

Rollenmatrix für ein angemessenes Kompetenzprogramm

ZielgruppeSinnvoller MindestfokusPraxisnachweis
Alle freigegebenen KI-NutzerFunktionsweise, erlaubte Systeme und Daten, Halluzinationen, Prüfung, MeldewegKurzes Modul plus Anwendung an einem typischen Fall
Power-User und FachbereicheUse-Case-Risiken, Quellenprüfung, Datenregeln, Freigaben und QualitätskriterienGeprüfte Übungsfälle aus dem eigenen Prozess
Führung und fachliche FreigeberVerantwortung, Grenzen, Eskalation, Wirkung auf betroffene Personen und Rollout-EntscheidungDokumentierte Freigabe- und Stop-Kriterien
IT, Admins und EntwicklungZugriffe, Logging, Datenfluss, Modellgrenzen, Security, Aufbewahrung und RückbauKonfigurations- und Incident-Test
Externe im AuftragAufgabe, freigegebene Systeme, Datenregeln, Qualitäts- und MeldepflichtenVertragliche Vorgaben plus projektbezogene Einweisung

Diese Matrix ist ein praxistaugliches Umsetzungsmuster, keine gesetzlich vorgeschriebene Kursstruktur. Der tatsächliche Umfang richtet sich nach euren Systemen und Risiken.

Welche Inhalte die EU-Kommission mindestens zur Prüfung empfiehlt

Die aktuellen Fragen und Antworten der Kommission nennen vier Ausgangspunkte:

  1. Allgemeines Verständnis: Was ist KI, wie funktioniert sie grundsätzlich, welche Systeme nutzt die Organisation und welche Chancen und Gefahren bestehen?
  2. Rolle der Organisation: Entwickelt beziehungsweise bietet das Unternehmen KI-Systeme an oder setzt es Systeme anderer Anbieter ein?
  3. Risiken der Systeme: Was müssen Nutzer über konkrete Risiken und deren Begrenzung wissen?
  4. Kontextbezogene Maßnahmen: Vorwissen, Erfahrung, Ausbildung, Aufgabe, Branche, Zweck und betroffene Personen berücksichtigen.

Rechtliche und ethische Aspekte gehören nach Auffassung der Kommission ebenfalls in die Betrachtung. Für generative KI sollten mindestens Datenregeln, Halluzinationen, Quellenprüfung, menschliche Freigabe, Urheber- und Persönlichkeitsrechte sowie ein verständlicher Meldeweg behandelt werden.

Schulung, Richtlinie und Praxisübung zusammendenken

Eine reine Rundmail mit dem Link zur Bedienungsanleitung wird häufig nicht reichen. Die Kommission weist darauf hin, dass bloßes Lesen der Herstelleranleitung in vielen Fällen unwirksam sein kann. Sinnvoll ist eine Kombination aus:

  • kurzem Grundlagenmodul für alle betroffenen Rollen,
  • konkreter Nutzungsrichtlinie mit erlaubten Systemen und Daten,
  • Übungen am eigenen Arbeitsprozess und seinen Fehlerfällen,
  • rollenbezogenen Vertiefungen für Fachbereiche, Freigeber, IT und Entwicklung,
  • sichtbaren Hilfen direkt im Workflow,
  • regelmäßigen Updates bei neuen Systemen, Funktionen, Risiken oder Vorfällen.

Interne Fachleute können Maßnahmen selbst durchführen. Entscheidend ist nicht der Anbieter eines Kurses, sondern ob Inhalt und Format zum konkreten System, Risiko und Wissensstand passen.

Was Unternehmen als Nachweis aufbewahren sollten

Artikel 4 schreibt kein bestimmtes Zertifikat vor. Die Kommission sagt ausdrücklich, dass ein internes Verzeichnis von Schulungen oder anderen Leitmaßnahmen genutzt werden kann. Ein praktikabler Nachweis enthält:

  • Inventar der eingesetzten KI-Systeme und betroffenen Rollen,
  • kurze Risiko- und Bedarfsbewertung je Zielgruppe,
  • Version, Datum und Inhalte der Maßnahme,
  • Teilnehmende beziehungsweise erreichte Zielgruppe,
  • verwendete Übungsfälle und bereitgestellte Richtlinien,
  • offene Punkte, Wiederholungstermin und verantwortliche Person.

Das ist keine Garantie der Rechtskonformität. Es macht aber nachvollziehbar, welche kontextbezogenen Maßnahmen tatsächlich getroffen und aktualisiert wurden.

Besonderheit bei Hochrisiko-KI und menschlicher Aufsicht

Artikel 4 ist nicht die einzige einschlägige Vorschrift. Für Betreiber von Hochrisiko-KI enthält Artikel 26 zusätzliche Pflichten. Die Kommission hebt hervor, dass Personal, das ein solches System praktisch bedient und menschliche Aufsicht sicherstellt, angemessen geschult sein muss.

Wer etwa KI in sensiblen Entscheidungsbereichen einsetzt, sollte daher nicht aus einem allgemeinen Awareness-Modul auf die ausreichende Qualifikation schließen. Systemklassifizierung, Anbieterinformationen, Aufsicht, Eingriffsrechte, Fehlerszenarien und sektorale Anforderungen müssen separat geprüft werden.

30-Tage-Plan für eine belastbare Umsetzung

  1. Tag 1–5: KI-Systeme, Use Cases, Betreiber-/Anbieterrolle, Zielgruppen und verantwortliche Personen erfassen.
  2. Tag 6–10: Risiken und erforderliche Kompetenzen pro Rolle bewerten; besonders sensible oder möglicherweise hochriskante Systeme separat eskalieren.
  3. Tag 11–15: Grundlagenmodul, Nutzungsrichtlinie, Praxisfälle, Freigaben und Meldeweg erstellen.
  4. Tag 16–22: Rollenbezogene Einheiten durchführen und typische Fehlfälle praktisch testen.
  5. Tag 23–26: Maßnahmen, Teilnahme, Versionen und offene Punkte intern dokumentieren.
  6. Tag 27–30: Lücken schließen, Wiederholungsrhythmus festlegen und den nächsten Review an Produkt- oder Prozessänderungen koppeln.

Für kleine Unternehmen reicht oft ein schlanker, gut dokumentierter Start. Je sensibler das System und seine Wirkung auf Menschen, desto tiefer müssen Analyse, Training und Aufsicht ausfallen.

Primärquellen und rechtlicher Hinweis

Stand: 25. August 2026. Die rechtliche Einordnung stützt sich auf folgende aktuelle EU-Primärquellen:

Der Beitrag ist eine strukturierte Orientierung und keine Rechtsberatung. Verbindliche Bewertungen des Anwendungsbereichs, der Systemklassifizierung, möglicher Sanktionen oder besonderer Branchenpflichten gehören in eine Prüfung des Einzelfalls.

Nächster Schritt: Rollen befähigen und Nachweis aufbauen

Unsere Schulung verbindet die Anforderungen nicht mit abstrakten Folien, sondern mit euren freigegebenen KI-Systemen, typischen Aufgaben, Datenregeln und Fehlerszenarien. Ihr erhaltet Rollenmatrix, Teilnahme- und Inhaltsnachweis, Kurzrichtlinie und eine 30-Tage-Checkliste zur Weiterführung.

KI-Kompetenz- und AI-Act-Schulung ansehen oder eine persönliche Einschätzung anfordern.

Häufige Fragen

Noch offene Punkte?

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Ist eine KI-Schulung seit 2025 Pflicht?
Artikel 4 gilt seit dem 2. Februar 2025. Anbieter und Betreiber müssen Maßnahmen zur Unterstützung der KI-Kompetenz der betroffenen Personen treffen. Das muss nicht in jedem Fall ein bestimmter Standardkurs sein; Inhalt und Format richten sich nach System, Rolle, Vorwissen und Risiko.
Was hat sich 2026 an Artikel 4 geändert?
Der Digital Omnibus hat Artikel 4 im Juli 2026 neu gefasst. Die Pflicht zu angemessenen Maßnahmen bleibt bestehen, aber Unternehmen müssen kein bestimmtes Kompetenzniveau jeder einzelnen Person garantieren.
Braucht jeder Mitarbeiter ein KI-Zertifikat?
Nein. Die EU-Kommission sagt ausdrücklich, dass kein bestimmtes Zertifikat erforderlich ist. Ein internes Verzeichnis von Schulungen und anderen Leitmaßnahmen kann zur Dokumentation genutzt werden.
Müssen auch Beschäftigte geschult werden, die nur ChatGPT oder Claude für Texte nutzen?
Die EU-Kommission bejaht die Relevanz von Artikel 4 auch bei generativer KI für Texte oder Übersetzungen. Betroffene Beschäftigte sollten mindestens die konkreten Risiken wie Halluzinationen, Datenregeln und notwendige Prüfung kennen.
Kann die KI-Schulung intern durchgeführt werden?
Ja. Artikel 4 schreibt keinen externen Anbieter vor. Interne Maßnahmen müssen jedoch zum eingesetzten System, Wissensstand, Kontext und Risiko passen und sollten nachvollziehbar dokumentiert und aktualisiert werden.
Reicht eine Nutzungsrichtlinie ohne Schulung?
Nicht pauschal. Die Kommission weist darauf hin, dass bloßes Lesen von Anleitungen in vielen Fällen unwirksam sein kann. Richtlinie, Erklärung, praktische Übung und rollenbezogene Vertiefung sollten nach dem konkreten Bedarf kombiniert werden.
Gilt für Hochrisiko-KI dieselbe Schulung?
Nicht automatisch. Für Hochrisiko-KI bestehen zusätzliche Anforderungen, insbesondere an geschultes Personal und menschliche Aufsicht. Diese Systeme brauchen eine gesonderte, vertiefte Prüfung und Qualifizierung.
Ist dieser Beitrag Rechtsberatung?
Nein. Er bietet eine strukturierte Orientierung anhand aktueller EU-Primärquellen. Anwendungsbereich, Risikoklasse, Sanktionen und besondere Branchenpflichten müssen im konkreten Fall rechtlich geprüft werden.

Noch Fragen zu KI-Schulung Pflicht AI Act?

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